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Seenotrettung in Norwegen




Flagge der NSSR


Geschichte:

Zwar existierten in Norwegen bereits seit 1852 existierten erste Rettungsstationen, welche die Norweger nach dem Vorbild ihrer dänischen Nachbarn eingerichtet hatten, deren Anzahl bis 1890 auf 5 angewachsen war, aber eine organisierte Seenotrettung bestand zu dieser Zeit noch nicht.
 
Der Aufbau einer organisierten Seenotrettung in diesem Land war dringend notwendig, es ist überliefert, dass es an den Küsten Norwegens im Jahr der Gründung der NSSR zwischen 600 und 700 Tote bei Schiffsunglücken gegeben haben soll, bei der damaligen Einwohnerzahl Norwegens von etwa 1,5 Milionen ein nicht unerheblicher Prozentsatz.
 
Wie in vielen anderen Ländern auch, entsprang der Wunsch nach einer umfassenden Seenotrettung auch in Norwegen aus persönlichen Erlebnissen von Menschen, die - geprägt durch schlimme Ereignisse - sich engagierten, um in der Zukunft solche Unglücksfälle zu verhindern.
 
So war es der Marinearzt Dr. Oscar Tybring (1847-1895), der während eines schweren Herbststurms im Jahre 1882 beobachtete, wie ein Schiff vor der Küste auf Grund lief und die komplette Besatzung ertrank.
 
Daraufhin warb Tybring in den nächsten Jahren ruhelos für den Aufbau einer organisierten Seenotrettung; er bereiste ganz Norwegen, um einflussreiche Persönlichkeiten für diese Idee zu gewinnen, und verfasste Zeitungsartikel, um auch die breite Öffentlichkeit auf sein Ansinnen aufmerksam zu machen. Nicht zuletzt besuchte er auch die Länder, in denen bereits mit dem Aufbau von Seenotrettungsorganisationen begonnen worden war (unter anderem das benachbarte Dänemark), um sich unter anderem über deren Ausrüstung zu informieren.
 
Im März 1887 bat Tybring den bekannten Bootskonstrukteur Colin Archer, ein Norweger schottischer Abstammung, ein seetüchtiges, dabei aber möglichst kostengünstiges Rettungsboot zu entwickeln. Aufgrund der damals zu hohen Kosten wurde dieses Projekt jedoch nicht umgesetzt. Trotzdem entwarf Archer im Winter 1887/1888 ein Boot, das bei Bereitstellung entsprechender Mittel hätte gebaut werden können, ein Segelboot mit einem Hauptmast, jedoch auch als Ruderboot mit acht Paar Rudern verwendbar. Mit dem geplanten Eisenkiel hatte das Boot ein berechnetes Gewicht von 1,8 Tonnen, als Besatzung waren neun Mann vorgesehen.
 
Der endgültige Anstoss zur Gründung einer Seenotrettungsgesellschaft in Norwegen wurde im Jahre 1889 von der Kaufmannsgesellschaft von Christiana (heute Oslo) mit ihrem Vorsitzenden Henrich Scheller gefasst. In einer Versammlung der Kaufleute wurde ein Komitee gegründet mit dem Auftrag, eine entsprechende Organisation aufzubauen. Diesem Komitee, dessen erste Sitzung am 18. November 1889 stattfand, gehörten unter anderem auch Oskar Tybring und Colin Archer an. Tybrings Pläne wurden übernommen, und im Februar 1890 startete das Komitee einen öffentlichen Appell zur Unterstützung dieser Pläne. Die Gründung von Ortsvereinen und die Durchführung von Spendenaktionen führten zu erklecklichen Geldsummen.
 
Die Norsk Selskab til Skibbrudnes Redning (NSSR) wurde offiziell am 9. Juli 1891 in Kristiana gegründet.
 
Und es begannen Diskussionen darüber, in welcher Form letztendlich die Seenotrettung am effektivsten aufgebaut werden könne. So war eine der diskutierten Möglichkeiten, schwimmende Rettungsstationen - etwa große Dampfschiffe - zu verwenden. Die Möglichkeit des Einsatzes von Segelrettungsbooten wurde zu dieser Zeit nicht in Betracht gezogen, was sich aber im Februar 1892 änderte, als ein Sturm in der Bucht von Langesund tobte und die Fischerboote in dieser Region mit voller Härte traf. Eine große Anzahl Fischer liess während des Sturms ihr Leben, jedoch konnten etliche durch ein Segelboot der örtlichen Lotsen gerettet werden.
Nach derTragödie wurde in Langesund ein Rettungsverein gebildet, der zu dem Schluss kam, dass aufgrund der Erfahrungen ein Segelrettungsboot mit einer Länge von 28 bis 30 ft (ca. 8,5 - 9,15 m) gebaut werden solle nach dem Vorbild der bekannten Lotsenboote, versehen mit einer zweiten Aussenhaut, die das Boot bei einem Leck im Rumpf schützen sollte. Vorgesehen war, dass dieses Boot bei schlechten Wetterbedingungen vor der Küste kreuzen solle, um den heimkehrenden Schiffen bei Bedarf schnell zu Hilfe kommen zu können. Die geschätzten Kosten für ein solches Boot inklusive Beiboot, einer Winde und einem Raketenapparat betrugen 6.000 Norwegische Kronen.
 
Die NSSR stellte daraufhin 18.000 Kronen für den Bau von Booten zur Verfügung, eines sollte im Oslofjord stationiert werden, ein zweites an der norwegischen Westküste. Der verbliebene Betrag ging an den Verein in Langesund zwecks Bau des dortigen Bootes, das in den Besitz der NSSR überging. Einen weiteren Betrag von 5.000 Kronen stiftetete die NSSR, um damit etliche Lotsenboote mit einer zweiten Aussenhaut auszurüsten und damit für den Rettungsdienst tauglich zu machen.
 
Jedoch sollte vor dem Bau der Boote ein Wettbewerb unter den einheimischen Bootsbauern ausgeschrieben werden, ein Segelrettungsboot zu entwerfen.
Sieben Entwürfe gingen ein, den ersten Preis gewann Christiian Lauritz Stephansen, dessen Entwurf nach Anweisung der NSSR von Colin Archer überarbeitet wurde. Archer sollte dabei auch seine eigenen Vorstellungen einbringen, und so entspann sich zunächst eine Diskussion zwischen ihm und Stephensen darüber, ob ein Ein- oder ein Zweimaster die bessere Wahl sei.
Stephensens Argumente schienen die besseren zu sein, und so wurden die ersten beiden Boote der NSSR, die "Colin Archer" (RS ) - auf dem Plan Archers basierend - und die "Liv" (RS5) - nach dem von Archer überarbeiteten Plan Stephensens - im Jahre 1893 in Dienst gestellt.
 
Das definitiv erste Rettungsboot der NSSR war die "Langesund". Der Ortsverein von Langesund wollte nicht auf die Fertigstellung des Colin Archer-Entwurfes warten und bestellte bei der Bootswerft von Thor Martin Jensen in Porsgrunn mit den von der NSSR gestellten und eigenen Mitteln ein Boot. Die Grundkonstruktion beruhte auf den bewährten Lotsenbooten Archers, jedoch sollte das Boot nach Auffassung Jensens etwas größer sein. Die "Langesund" begann ihren Dienst unter Kapitän Ole Andreas Jensen im Februar 1883 und erhielt die Dienstbezeichnung RS2. Bereits kurz nach der Aulieferung konnten mit der "Langesund" in zwei Einsätzen vier Fischer aus Seenot gerettet werden.
 
Die "Colin Archer" wurde im August 1893 in Larvick ausgedockt, nachdem ihr Erbauer noch einige Änderungen an dem Schiff vorgenommen hatte. Nach einer Vorführung in Kristiana segelte es zurück nach Larvick, um dort von zwei Lotsen, den Gebrüdern Josephsen umfassend getestet wurde, bevor Kapitän N.M. Anthonissen aus Nevelungshavn das Kommando übernahm und im Dezember 1893 nordwärts auf die Station auf den Lofoten segelte.
 
Dort übernahm die "Colin Archer" die Rolle eines Schutzengels für die etwa 2.000 Fischerboote - jeden Morgen fuhr das Boot mit der Fischereiflotte hinaus in die Fischgründe und kehrte erst zurück, wenn das letzte Fischerboot sicher den Hafen erreicht hatte.
 
Die NSSR-Abteilung in Bergen hatte zwischenzeitlich eine ausreichende Geldsumme zusammen, um auf eigene Verantwortung zwei Boote zu ordern, RS3 "Tordenskiold" und RS4 "Feie".
RS3 wurde am 28. Juni 1893 als Lotsenboot von der Werft Thor Jensen aus Porsgrunn geliefert, der Umbau des Schiffes als vollwertiges Rettungsboot verschlang etwa 3.875 Norwegische Kronen und war somit teurer als das Schiff selbst - es hatte 3.100 Kronen gekostet. Das Boot wurde Anfang Oktober 1893 an die Lotsenvereinigung übergeben, die es im Korsfjord südlich von Bergen einsetzten. Die Zusammenarbeit mit den Lotsen währte bis 1894, danach ging die "Tordenskiold" zurück in den Besitz der NSSR.
 
Am 20. Mai 1894 wurden die Rettungsboote der NSSR in der breiten Öffentlichkeit bekannt, als die Besatzung der "Colin Archer"  in einer spektakulären Rettungsaktion in der Finnmark insgesamt 37 Schiffbrüchige in einem gewaltigen Sturm retten konnte. Die "Colin Archer" wurde nicht zuletzt durch diese Aktion zu einem der berühmtesten Symbole in der Geschichte der internationalen Seenotrettung.
 
Insgesamt waren die Rettungskutter des Colin-Archer-Typs mit über 2800 Geretteten während ihrer Dienstzeit, die erst 1930 mit Einführung der Motorrettungsboote endete, in Norwegen sehr erfolgreich.
 
Jedoch ist es bis heute sehr schwierig, eine umfassende Seenotrettung an der langen und teilweise für die Schifffahrt gefährlichen norwegischen Küstenlinie aufzubauen. Und so gelang auch der NSSR in den ersten Jahren nach ihrer Gründung der Aufbau eines effizienten Netzes nicht.
 
So setzte die norwegische Regierung im Jahre 1953 eine Kommission ein, die ein SAR-Konzept für das gesamte Land erstellen sollte. Das Ergebnis, das im Jahre 1959 vorlag, brachte das Ergebnis, dass nicht eine Organisation allein, sondern nur eine Kooperation aller geeigneten Organisationen, aber auch mit der entsprechenden Technik ausgestatteten Unternehmen und Privatleuten, ein umfassendes Rettungssystem in Norwegen gewährleisten könne.
 
Vier Jahre später begann -  initiiert durch das norwegische Parlament - der Aufbau dieses Systems. Die daraus resultierenden Pläne des so genannten "Norwegischen Such- und Rettungsdienstes" wurden in der Vergangenheit mehrfach modifiziert und den aktuellen Gegebenheiten angepasst.
 
Unterstellt ist das norwegische Rettungswesen dem Ministerium für Justiz und Polizei. Die Polizei ist der Koordinator aller SAR-Maßnahmen im norwegischen Hoheitsgebiet. Der Polarkreis ist die Grenze zwischen den beiden SAR-Gebieten, in die Norwegen aufgrund seiner Grösse aufgeteilt worden ist.
Für Katastrophenfälle liegen detailliert ausgearbeitete Pläne vor, in die auch entspr. ausgestattete Privarfahrzeuge aufgenommen sind. So spielt z.B. die Offshoreindustrie mit ihren Wasser- und Luftfahrzeugen - hier vor allem Helikopter -  hier eine besondere Rolle.
 
Da auf dieser Seite bevorzugt die Seenotrettungs betrachtet wird, vernachlässigen wir einmal die SAR-Organisation an Land.
Neben der norwegischen Marine und der ihr unterstellten Küstenwache gehören drei private Organisationen zu den Stützen der Seenotrettung. Es sind dies das Norwegische Rote Kreuz, das über eigene Boote für Krankentransporte im Küstenbereich verfügt,  die "Norsk Folkehjelp Sanitet", eine der norwegischen Gewerkschaft nahestehende  Sanitäterorganisation, und natürlich die NSSR.
 
Nach der erfolgreichen "Colin-Archer"-Ära verfügte die NSSR nicht über speziell für die Seenotrettung konzipierte Fahrzeuge, sondern setzte Schiffe ein, die sich in der Fischerei als besonders seetüchtig bewährt hatten. Die Kutter, Trawler und Logger verfügten - obwohl nicht übermäßig schnell - über eine hervorragende Seetüchtigkeit. Erst ab ca. 1980 werden bei der NSSR speziell für diesen Zweck konstruierte Seenotkreuzer eingesetzt. Die Modernisierung der NSSR-Flotte begann mit der Einführung der Skomvær- und der Adeler-Klasse.

Fahrzeuge der NSSR seit 1893


Stationen der NSSR (alphabetisch sortiert - Stand 2008):

  • Ålesund
  • Andernes
  • Arendal
  • Aukra
  • Båtsfjord
  • Ballstad
  • Berlevåg
  • Bodø
  • Brekstad
  • Egersund
  • Elvindvik
  • Farsund
  • Florø
  • Fosnavåg
  • Gjøvik
  • Hardbakke
  • Harøysund
  • Havøysund
  • Haugesund
  • Hjellestad
  • Honningsvåg
  • Husøy
  • Kleppestø
  • Kragerø
  • Kristiansand
  • Kristiansund
  • Kristoffervalen
  • Langevåg
  • Lysaker
  • Måløy
  • Mandal
  • Mausundvær
  • Mehamn
  • Moss
  • Myre
  • Næsnar
  • Oscarsborg
  • Risør
  • Røros
  • Rørvik
  • Rost
  • Sætervik
  • Skærhallen
  • Skjervøy
  • Sørvær
  • Stavanger
  • Stavern
  • Svolvær
  • Tananger
  • Tønsberg
  • Træna
  • Tromsø
  • Trondheim
  • Vadsø
  • Værøy
  • Vardø
  • Veiholmen

Website der NSSR:

Der Internetauftritt der NSSR unter http://www.nssr.no ist sehr umfangreich. Man findet dort umfangreiche Informationen über die Historie, über die aktuellen und sämtliche historischen Fahrzeuge sowie über die Stationen.

Der Webauftritt ist hauptsächlich natürlich in norwegischer Sprache, einige Seiten existieren auch in Englisch.


Quellen:

  • Buch "Fra seil til vannjet" von Bjørn Foss in der englischen Ausgabe "From sail to water-jet"
  • Website der NSSR
  • Schriftverkehr mit der NSSR-Zentrale


letzte Aktualisierung: 4. November 2008








Publiziert am: 2008-10-21 (1026 mal gelesen)
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